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Das unwirkliche Abenteuer der wandernden Lieder

Das Summen in der Luft vor dem ersten Ton.

Die Lieder kamen von den Bäumen, sie kamen durch sie hindurch, wie Licht das durch die Blätter fällt. Immer wenn ich an den Beginn denke, höre ich das Summen in der Luft, ein vibrierendes Vorzeichen, noch bevor der erste Ton sich formt. Unser Tal atmete Musik. Die Wurzeln der alten Eichen zitterten im Takt unter meinen nackten Fußsohlen, und der Wind trug Melodien, die kein Mensch erdacht hatte. Wir nannten sie die wandernden Lieder. Sie gehörten niemandem und allen. Sie waren einfach da, so selbstverständlich wie der Bach, der sich silbern über die Steine schlängelte, und so geheimnisvoll wie das Funkeln in den Augen der Füchse bei Einbruch der Dämmerung. Damals, als alles begann, wusste ich noch nicht, dass diese Lieder eine Einladung waren. Eine Einladung zu einer Fahrt, die uns bis nach Frankfurt führen würde, bis in das Herz eines alten Schlosses, das längst vergessen hatte, wie man singt.

Die gespannte Stille vor dem ersten klaren Ton.

Die Stille an jenem Abend war anders. Sie war nicht friedvoll, sondern gespannt, eine wartende Stille. Wir saßen im Kreis auf dem moosigen Boden, unsere Schultern berührten sich, und unsere Blicke hafteten an den dunklen Umrissen der Bäume. Die üblichen Abendlieder, das vertraute Zwitschern und Rascheln, waren verstummt. Nur das leise Knacken des abkühlenden Holzes unter uns war zu hören. Dann, ohne Vorwarnung, durchschnitt ein einzelner, klarer Ton die Nacht. Er kam von überall und nirgends, ein vibrierendes A, das sich in meinem Brustkorb einnistete und mich zittern ließ. Neben mir hielt Lina den Atem an. Ihr Mund stand einen Spalt offen, ihre Hände gruben sich in das Moos. Der Ton wandelte sich, wurde zur Melodie, aber zu einer, die fremd und alt und fordernd klang. Sie zog nicht nur an unseren Ohren, sie zog an uns.

Die Kapitulation vor dem Sog der Melodie.

Ich war die Letzte, die zustimmte. Während die anderen schon voller glühender Augen von Aufbruch und Abenteuer sprachen, lief ich zum Bach und tauchte meinen Kopf ins eiskalte Wasser. Die Rationalität, die mir mein Vater, der Uhrmacher, eingehämmert hatte, kämpfte gegen den Sog der Melodie. Doch als ich mich aufrichtete, das Wasser in Strähnen aus meinem Gesicht tropfte, wusste ich, dass ich verloren hatte. Der Klang saß in meinen Knochen. Er war kein äußerer Reiz mehr, er war ein innerer Befehl. Ich kehrte zum Kreis zurück, mein Haar tropfte auf die Schultern, und nickte. Kein Jubel brach aus. Stattdessen umarmte mich Lina, und ihre Wange war nass. Wir wussten alle, dass nichts mehr so sein würde, wie es war. Dies war keine Entscheidung, es war eine Kapitulation vor etwas viel Größerem.

Der Aufbruch im grauen Licht der Morgendämmerung.

Wir brachen im grauen Licht der Morgendämmerung auf, jeder mit einem kleinen Bündel. Keine Abschiedsreden, keine letzten Ratschläge. Das Tal sah uns gehen. Die Bäume neigten sich leicht, ein sanftes, grünes Ausatmen. Der Pfad, den die Lieder wiesen, war kein Pfad. Er führte uns direkt in die dichteste Wand aus Farnen und Unterholz. Wir schoben uns hindurch, Blätter klebten an unseren Gesichtern, Dornen rissen an unseren Kleidern. Das Lied vor uns war jetzt ein rhythmisches Pochen, ein Herzschlag aus der Erde. Die Luft wurde dichter, schwerer von Gerüchen, die ich nicht kannte: nach feuchter Erde, ja, aber auch nach verbranntem Honig und nach etwas Metallischem, Kühlem. Das Licht änderte seine Qualität. Es war nicht mehr das diffuse Grau des frühen Tages, sondern ein goldgrünes Geflimmer, als ob die Sonne durch smaragdfarbenes Wasser schiene.

Die unsichtbare Schwelle in die goldgruene Anderswelt.

Die Schwelle war unsichtbar, aber ich spürte sie auf der Haut. Ein kurzes Kribbeln, als ob ich durch einen Vorhang aus feinem Spinnennetz träte. Dann standen wir in der Anderswelt. Die Bäume hier waren gigantisch, ihre Rinden zeigten Gesichter, die schliefen oder lächelten oder tief in Träume versunken waren. Das Lied war nun ein vielstimmiger Chor. Es kam von oben, von unten, aus der Mitte der Stämme. Es war überwältigend. Einige aus unserer Gruppe warfen sich die Hände vor die Ohren, andere weinten lautlos. Ich blieb einfach stehen und ließ den Klang über mich hinwegrollen. Ich war ein Stein in einem Bach aus Musik. Meine Angst löste sich auf, Stück für Stück, und wurde durch ein staunendes Erkennen ersetzt. Das war die Sprache, in der die Welt zu sich selbst sprach.

Arion und die gefluesterte Legende des Urliedes.

Arion trat aus dem Schatten einer silberborkigen Weide, und sein Erscheinen war so natürlich, als ob der Baum einen Atemzug getan und ihn ausgedünstet hätte. Seine Haut reflektierte das Licht nicht, sie schien es von innen heraus zu speichern, ein sanftes Perlmutten. Er sprach, und seine Worte waren keine Worte, sie waren geflüsterte Noten, die sich in meinem Geist zu Bildern formten. Ich sah die Geburt des Urliedes, einen einzigen, reinen Ton im Dunkel, der sich ausdehnte und Sterne und Berge und Flüsse gebar. Das Echo dieses Tons, sagte Arion ohne zu sagen, sei in allem, was lebt. In jedem Schlag eines Vogelherzens, in jedem Wachstumsring eines Baumes. Wir Menschen hatten nur verlernt, ihm zuzuhören. Sein Blick, tief und alt wie ein Brunnen, traf mich. In dir schläft es noch, sagte dieser Blick. Wecke es auf.

Das dröhnende Amulett in den Hallen der Zwerge.

Die Hallen der Zwerge lagen nicht unter der Erde, sie waren die Erde. Wir gingen durch einen gewundenen, von Wurzeln gestützten Tunnel und standen plötzlich in einer gewaltigen Kaverne. In der Mitte brodelte ein See aus goldenem Licht, kein Feuer, sondern etwas Lebendiges, Pulsierendes. Der Lärm war ohrenbetäubend, ein synkopiertes Konzert aus Hämmern, die auf Ambosse trafen, und einem tiefen, singenden Summen, das aus dem flüssigen Gold selbst zu kommen schien. Ein Zwerg mit einem Bart, der wie verfilzte Baumwurzeln aussah, hämmerte nicht auf Metall, sondern auf einen Klumpen dunklen Glases. Bei jedem Schlag zuckte ein blauer Funke darin auf, ein gefangener Blitz. Er hielt mir das fertige Amulett hin. Es war warm. Leg es an, sagte sein Schweigen. Höre. Ich legte die Kette um. Das Hämmern verschwand. Stattdessen hörte ich ein tiefes, langsames, mächtiges Dröhnen. Der Herzschlag des Berges.

Der Fuchs der Rätsel und die weisen Tiere des Waldes.

Der Fuchs war kein Bote, er war ein Rätselwächter. Er versperrte uns den Weg auf einer schmalen Lichtung, sein roter Pelz ein Fleck gebündelten Sonnenlichts. Er stellte keine Frage mit Worten. Er setzte sich, schlug den Schwanz um die Pfoten und sah mich an. In seinen bernsteinfarbenen Augen spiegelte sich nicht mein Gesicht, sondern eine Reihe flüchtiger Bilder: ich, wie ich als Kind vor Vaters Uhren saß; ich, wie ich gestern am Bach gezweifelt hatte; ich, wie ich in diesem Moment dastand. Die Frage war: Wer bist du? Ich atmete tief ein und dachte nicht nach. Ich fühlte. Das Summen in meiner Brust, das warme Amulett an meinem Hals, den Klang des Waldes. Ich lächelte dem Fuchs zu. Er nickte, einmal, und trat zur Seite. Der Hirsch, der ihn ablöste, berührte mit seiner Schnauze leicht meine Handfläche. Ein Fluss von Wissen, keine Karte, sondern ein Gefühl für Richtung, floss in mich. Die Eule später, auf ihrem Ast, erzählte keine Geschichte. Sie sang ein einziges, langes, schwebendes Note, und in ihr hörte ich die unendliche Weite des Nachthimmels.

Lioras Lichtung und die Samen der Freude.

Lioras Licht war kein grelles Leuchten. Es war das sanfte Glimmen von Glühwürmchen in einem Sommergras, konzentriert zu einer weiblichen Form. Sie führte uns zu einer Lichtung, auf der das Mondlicht nicht fiel, sondern zu stehen schien, eine säulenlose Säule aus Silber. Hier, flüsterte ihre Anwesenheit, ist die Freude, die kein Besitz kennt. Sie breitete ihre Arme aus, und winzige Lichter, wie lebendige Samen, lösten sich von ihr und tanzten zwischen uns. Eines landete auf meiner Handfläche. Es war nicht heiß, es pulste mit einem warmen, beruhigenden Rhythmus. Eine reine, unschuldige Zufriedenheit, frei von allem Wunsch, durchströmte mich. Es war der Frieden des Mooses, das einfach wächst, der Freude des Baches, der einfach fließt. Dies war kein Geschenk, das man behalten konnte. Es war eine Erinnerung. Eine Erinnerung daran, wie sich Vollkommenheit anfühlt.

Die schmerzhafte Rückkehr in eine flachere Welt.

Die Rückkehr war schmerzhafter als der Aufbruch. Das Tor zurück in unser Tal fühlte sich an wie das Durchqueren einer zähen, unsichtbaren Membran. Die Welt wurde plötzlich flacher, leiser, matter. Die Farben unseres Tals, die ich immer für so lebendig gehalten hatte, wirkten wie verblasste Kopien. Die Geräusche waren grob und getrennt voneinander: ein Vogelruf hier, das Rauschen des Bachs dort. Nicht das alles durchdringende, symphonische Gewebe der Anderswelt. Wir schwiegen. Was gab es zu sagen? Wir trugen das neue Wissen in uns wie eine hell brennende, empfindliche Flamme, die jeder grobe Windhauch zu ersticken drohte. Die anderen Dorfbewohner, die zurückgeblieben waren, umarmten uns, aber ihre Berührungen fühlten sich fern an. Sie sahen in unsere Augen und musterten uns scheu. Wir waren anders geworden. Wir waren heimgekehrt, aber wir waren nicht mehr ganz von hier.

Die Nachricht von Frankfurt und das summende Schloss.

Die Nachricht von Frankfurt kam nicht als Brief. Sie kam als ein Riss in unserer neuen Normalität. Ein Wandermusikant, abgerissen und mit einer mechanischen Drehleier auf dem Rücken, tauchte eines Tages am Dorfrand auf. Seine Musik war hart, rhythmisch, schmerzlich schön, aber sie war erfunden, gemacht, nicht gefunden. Er sprach von einer großen Stadt, von einem alten Schloss, das nun eine Art Kraftwerk sei, das ganz Frankfurt mit sauberem, ruhigem Licht versorge. Doch in seinen Mauern, raunte er, säße ein Geheimnis fest. Eine Stille, so dick, dass sie die Luft ersticke. Man höre manchmal, sehr leise, ein Summen in den Fundamenten, als ob etwas Großes, Altes, dort unten schliefe und im Traum sang. In diesem Moment begann das wandernde Lied in mir, das seit unserer Rückkehr nur noch leise gebrummt hatte, lauter zu werden. Es stimmte überein mit dem beschriebenen Summen. Es war kein Zufall. Es war eine Antwort.

Der Widerstand im Dorf und die sieben Waghalsigen.

Der Widerstand kam von denen, die nicht mit uns gereist waren. Mein eigener Vater stand vor seiner Werkstatt, die Hände voller Uhrfedern. Eine Reise zu einer menschengemachten Maschine? Verrücktheit. Das Lied will uns in die Natur führen, nicht in diese steinerne Fremde. Doch das Lied in meiner Brust widersprach ihm. Es zog nicht mehr nur in die Wälder. Es zog nach Norden, auf einer geraden, unerbittlichen Linie. Es war, als ob das Urlied, das wir in der Anderswelt kennengelernt hatten, einen verlorenen Zwilling hätte. Einen, den die Menschen in Stein und Stahl gefangen gesetzt hatten. Lina verstand sofort. Elias, der immer pragmatisch war, sagte nur: Wenn etwas schläft und singt, muss man es vielleicht aufwecken. Oder es in Ruhe lassen. Die Debatte zerriss das Dorf in zwei Lager. Am Ende waren wir nur sieben, die sich aufmachten. Die Waghalsigen. Die vom Lied Besessenen.

Durch müde Landschaften zum gläsernen Frankfurt.

Die Fahrt nach Frankfurt war eine Reise durch eine ausgedörrte Welt. Die Landschaft außerhalb unseres Tals war nicht böse, nur müde. Die Felder waren akkurat, die Wälder waren Forste, die Flüsse waren kanalisiert. Die Luft roch nach Staub und verbranntem Öl, später nach dem süßlichen Duft von Gärungsfabriken. Das wandernde Lied in uns wurde zu einer inneren Stimmgabel, die ununterbrochen und leise schwang und uns auf Kurs hielt. Wir reisten zu Fuß, per Pferdewagen, zuletzt in einem lauten, ratternden Zug, dessen Rhythmus eine brutale Parodie auf den Herzschlag der Erde war. Frankfurt tauchte am Horizont nicht langsam auf, es explodierte dort: ein Wald aus spitzen, gläsernen Türmen, durchzogen von schwebenden Bahnen, über denen stumme Lichtreklamen tanzten. Die Stille hier war die lauteste, die ich je gehört hatte. Ein Dröhnen aus Maschinen, Rädern, Stimmen, das alles andere übertönte. Doch tief unter diesem Lärm, wie ein Faden aus purem Klang, spürte ich es immer noch. Das Summen. Das rief.

Das graue Schloss und die Techniker in der Vorhalle.

Das Schloss war keine Märchenburg. Es war ein gewaltiger, grauer Kubus aus dem vergangenen Jahrhundert, umgeben von parkähnlichen Gärten, die zu sauber, zu ordentlich waren. Keine Blume wagte es, ihren Kopf außerhalb der vorgegebenen Beete zu recken. Es war das Gegenteil unserer verwunschenen Täler. Doch in seiner Mitte ragte ein neuer, schlanker Turm aus milchigem Glas, der das sanfte, permanente Licht der Solarpunk-Stadt ausstrahlte. Hier, in diesem alten Gebäude, wurde die Energie der Sonne und des Windes für die Stadt gesammelt und verteilt. Effizient. Sauber. Stumm. Wir standen vor den riesigen bronzenen Türen. Das Summen war jetzt ein vibrierendes Ziehen in meinen Zähnen. Ich legte meine Handfläche gegen das kalte Metall. Das Amulett an meinem Hals wurde heiß. Hinter mir begann Lina, leise die Melodie zu summen, die uns hierher geführt hatte. Eine Note, dann eine zweite. Die anderen stimmten ein. Unsere sieben Stimmen waren ein Flüstern gegen die Stadt.

Die rostige Maschine im Dunkel des Fundaments.

Die Wächter ließen uns nicht ein. Sie waren keine Soldaten, sondern Techniker in hellgrauen Overalls, mit Tablets in den Händen. Sie sahen uns mit einer Mischung aus Belustigung und Besorgnis an. Das Schloss sei ein technisches Bauwerk, kein Museum für Volkssagen. Das Summen in den Fundamenten? Natürlich gebe es das. Das seien die Resonanzen der Geothermie-Pumpen, perfekt im Toleranzbereich. Sie wollten uns wegschicken. Da tat ich das Einzige, was mir einfiel. Ich schloss die Augen, ignorierte sie, und konzentrierte mich ganz auf das Lied in mir, auf das Echo des Urklangs, das Arion mir gezeigt hatte. Ich öffnete den Mund, aber kein Gesang kam heraus. Stattdessen ließ ich den Klang durch mich hindurchfließen, ließ ihn in meinen Körper vibrieren. Ich wurde zum Instrument. Ein tiefer, resonanter Ton, der nicht von meinen Stimmbändern kam, erfüllte die kleine Vorhalle. Die Scheiben in den Türen klirrten leiste. Die Techniker wichen zurück, ihre Tablets senkten sich. Einer von ihnen, ein älterer Mann mit erschöpften Augen, starrte mich an. Da ist etwas, murmelte er. Im Untergeschoss. Seit Jahrzehnten. Kommt mit.

Der befreiende Gesang für den gefangenen Klang.

Sie führten uns hinab, weg vom sauberen Licht, in das bauchige Dunkel des Fundaments. Die Luft wurde kühl und roch nach nassem Beton und Ozon. Das Summen war hier ein physischer Druck auf den Trommelfellen. In einer fensterlosen Kammer, beleuchtet von einem einzigen kahlen Drahtkäfig, stand es: ein monströser, verrosteter Koloss aus Stahl und kupfernen Spulen, offenbar ein Relikt der allerersten Energieerzeugung. Er war stillgelegt, aber nicht tot. An seiner Basis, in einen Betonsockel gegossen, sah ich eine Reihe seltsamer, fließender Symbole. Sie waren nicht eingraviert, sie schienen im Gestein selbst zu schweben, als ob es sich um ihr natürliches Muster handelte. Die Symbole der Elfen. Die Melodie brach aus mir heraus. Ich sang sie nicht, sie sang mich. Die alten Worte, die Arion mir ins Herz gepflanzt hatte. Der rostige Koloss begann zu vibrieren. Staub rieselte von seinen Verbindungen. Und dann, aus seinen tiefsten Eingeweiden, antwortete ein anderer Ton. Müde. Verschlossen. Aber lebendig.

Die vergessene Magie im Herzen der Technik.

Es war keine Maschine. Es war ein Gefängnis. Irgendwann in ferner Vergangenheit, als dieses Schloss noch eine Burg gewesen sein mochte, hatten Menschen, die vielleicht etwas von der alten Magie wussten, versucht, sie zu nutzen. Sie hatten einen Faden des Urliedes, einen Aspekt seiner Kraft, in diese Konstruktion gebannt, um ihre Festung zu erleuchten, zu heizen, zu schützen. Dann war das Wissen verloren gegangen. Die Magie war vergessen, die Technik blieb. Generationen später bauten sie die alte Vorrichtung in ihr neues, sauberes Kraftwerk ein, ohne zu ahnen, was im Kern schlummerte. Die Solarzellen auf dem Dach, die Windräder auf den Türmen, sie speisten nicht nur die Stadt. Sie speisten auch, unwissentlich, diesen schlafenden Klang. Sie hielten ihn am Leben, aber sie ließen ihn nicht frei. Unser Kommen, unser Lied, war der Schlüssel. Wir waren die Erben des Wissens, das die Erbauer verloren hatten.

Das Schloss wird zum Instrument eines neuen Klanges.

Die Befreiung war kein lauter Knall, sondern ein sanftes Aufgehen. Während wir sangen, die sieben Stimmen aus dem Tal und der eine, uralte Ton aus der Maschine, durchdrangen sich die Klänge. Das rostige Metall schien durchsichtig zu werden. Ich sah nicht mit den Augen, ich sah mit den Ohren: Ich sah den gefangenen Klang, eine silberne, schwingende Kugel, sich aus seinen metallenen Fesseln befreien. Er stieg nicht auf, er dehnte sich aus. Er durchdrang den Beton, die Leitungen, die Glasfasern. Er vermählte sich mit dem sauberen Strom, der oben erzeugt wurde. Das Licht in dem kahlen Drahtkäfig änderte sich. Es wurde weicher, wärmer, es bekam einen goldenen Schimmer. Der ältere Techniker stand da, Tränen liefen ihm über das staubige Gesicht. So sollte es klingen, flüsterte er. Ich wusste immer, dass etwas fehlte. Das Summen in den Fundamenten war nicht mehr ein Gefangenenstöhnen. Es war ein zufriedenes, tiefes Brummen geworden, das Fundament eines neuen Klangs.

Die Stadt atmet weicher im Rhythmus des Liedes.

Wir blieben einige Tage. Das Schloss war nicht länger ein stummer Koloss. Es war ein Instrument geworden. Das Licht, das es ausstrahlte, pulsierte kaum merklich im Takt des erdgebundenen Klangs. Die Menschen in den umliegenden Straßen blieben stehen, blickten hinauf, runzelten die Stirn. Etwas war anders. Die Luft fühlte sich weicher an, der Lärm der Stadt gedämpfter. Manche lächelten, ohne zu wissen warum. Wir hatten den verlorenen Zwilling des Urliedes nicht mitgenommen. Wir hatten ihn befreit, damit er seine Arbeit hier tun konnte, nun auf die richtige Weise. Die Technik war nicht der Feind. Sie war nur ein leeres Gefäß gewesen. Wir hatten sie mit ihrem eigentlichen Inhalt erfüllt. Die Harmonie war nicht die Abwesenheit von Maschinen, sondern ihre Integration in den großen Gesang.

Die Rückkehr als Brückenbauer ins versöhnte Tal.

Die Rückkehr in unser Tal diesmal war ein heimliches Fest. Wir kamen nicht als Fremde, sondern als Brückenbauer. Wir brachten keine Geschichten von Elfen und Zwergen mit, die klangen hier zu unwirklich. Stattdessen brachten wir den Klang Frankfurts mit. Nicht den Lärm, sondern das tiefe, harmonische Brummen des befreiten Schlosses, das nun in unseren eigenen Liedern mitschwang. Mein Vater hörte mir lange zu, während er an einer kleinen Uhr tüftelte. Dann legte er das Werkzeug weg. Vielleicht, sagte er, hat auch eine Uhr ihr eigenes, kleines Lied. Ihr Ticktack. Vielleicht muss man nur hören lernen. Er lächelte. Es war das erste Mal, dass ich ihn über etwas Unsichtbares lächeln sah. Die Spaltung im Dorf heilte nicht über Nacht, aber sie begann zu vernarben. Das wandernde Lied in mir war jetzt still. Es war angekommen. Es war zu Hause.

Das Lied in den Leitungen und das Summen im Schloss.

Die Lieder wandern noch immer. Aber jetzt wissen wir, wohin. Sie wandern nicht nur zwischen den Bäumen, sie wandern durch die Leitungen unter den Städten, durch die Schwingungen in den Glastürmen, durch das Summen der Solarmodule in der Sonne. Sie sind die verbindende Frequenz zwischen dem, was wächst, und dem, was gebaut wird. Manchmal, wenn die Nacht sehr still ist und der Wind richtig steht, höre ich ein leises Echo aus dem Norden, ein tiefes, zufriedenes Brummen. Dann weiß ich, dass das Schloss in Frankfurt immer noch singt. Und ich summe leise mit.

Das Lied in allem was ist und der erste Klang.

Manchmal fragen sie mich, ob es die Anderswelt wirklich gab. Ob die Elfen und Zwerge und Liora real waren. Ich antworte nie direkt. Ich zeige auf das Licht, das durch das Blätterdach fällt und ein komplexes, vibrierendes Muster auf den Waldboden malt. Ich lasse sie die Hand auf das warme Metall meines alten Amuletts legen. Ich frage sie, ob sie das Summen in ihren eigenen Wänden hören, das leise Surren des Kühlschranks, das rhythmische Klopfen der Heizung. Das Lied hat viele Formen, sage ich dann. Es wartet nur darauf, erkannt zu werden. Die wahre Fahrt beginnt nicht, wenn man sein Dorf verlässt. Sie beginnt, wenn man lernt, in allem, was ist, das Echo des ersten, großen Klangs zu hören. Selbst in einem alten Schloss, mitten in Frankfurt. Vor allem dort.


Mit den besten Wünschen aus dem Tal, wo die Wurzeln den Takt vorgeben und die Leitungen summen,
Ihr Brückenbauer zwischen den Welten und Hüter des Echos.

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*Der geneigte Leser möge es verzeihen, dass wir nicht näher ausführen, welche klanglichen Feinheiten, welche Nuancen des Summens und welche ganz bestimmte Beschaffenheit der Stille im Laufe der vergangenen Jahrzehnte dem Fortschritt, dem Lärmteppich des Wirtschaftswunders und der gnadenlosen Effizienzoptimierung zum Opfer gefallen sind. Manche Dinge entziehen sich eben der präzisen Beschreibung durch Worte und überdauern nur als geflüstertes Echo für jene, die zu hören verstehen.

Quellenangaben:
Inspiriert vom Summen der Heizungsrohren meiner Mietwohnung.
Deutsche Gesellschaft für Musikpsychologie: Technik und Ästhetik
Energie macht Schule: Stromnetz und Speicher
BUND: Kraftwerke und Energieerzeugung
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

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