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Vom Dolch und dem steinernen Herzen.

Von einer Göttin und ihrer Trauer.

Die Göttin starb stehend, und ihre Trauer erstarrte zu Stein. Ihr gewaltiger Rücken stützt seither den westlichen Himmel, ihre gespreizten Finger wurden zu fünf kahlen Berggipfeln, und der Wind heult durch die leeren Augen ihrer Schädelhöhlen. Generationen lebten und starben im Schatten ihres erloschenen Körpers. Die Priester bewahrten die alten Riten, aber das Wissen schwand wie Wasser im Sommerboden. Nur eine Weisheit blieb allen eingebrannt: In der tiefen Spalte zwischen ihren monumentalen Brüsten, dort wo einst Leben pulsierte, ruhte das letzte Zeugnis ihrer Macht. Das Herz der Göttin. Ein Schwert. Nun, da die Quellen versiegten und die Ernten mager ausfielen, schickten die Ältesten endlich einen Diener, es zu holen. Sie schickten Tovis, den Waisen, den Schweigsamen, den Mann ohne Vergangenheit. Sein Weg begann an einem Morgen, der nach Staub und Verzweiflung schmeckte.

Der schwere Weg beginnt an einem staubigen Morgen.

Tovis packte seinen leeren Sack und verneigte sich vor dem Ältestenrat. Die zwölf alten Männer saßen auf steinernen Bänken, ihre Gesichter zu Masken aus ledriger Gleichgültigkeit erstarrt. Keiner sprach ein Segenswort. Keiner reichte ihm Wasser für die Rückkehr. Der höchste Älteste deutte nur mit einem knöchrigen Finger Richtung Ebene. Seine Bewegungen waren sparsam, als spare er jede Anstrengung für das eigene Fortbestehen auf. Tovis verneigte sich ein zweites Mal, tiefer, wie es die Sitte verlangte. Sein Rücken schmerzte bereits im Voraus. Als er sich aufrichtete, traf er den Blick des jüngsten Priesters. In diesen Augen flackerte etwas, das wie Mitleid aussah, oder vielleicht wie Neid. Dann senkte der junge Mann den Kopf. Tovis drehte sich um und trat durch das steinerne Tor. Die Sonne packte ihn sofort mit brutalen Fingern. Sie brannte auf seinen nackten Rücken, als er die geweihten Grenzsteine hinter sich ließ, diese letzten Zeichen der Ordnung. Vor ihm breitete sich die Staubebene aus, ein ödes, gelbes Meer, das an den Sockel der toten Göttin schlug. Ihre Silhouette verschlang den halben Himmel. Aus dieser Entfernung waren die Details unsichtbar, nur die ungeheure Masse des zusammengebrochenen Körpers, die alles andere in den Schatten stellte. Tovis atmete den trockenen, beißenden Geruch von heißem Stein und verwesender Zeit ein. Seine Aufgabe war einfach. Er sollte zum Gipfel der östlichen Brust aufsteigen, das Schwert nehmen und es zurückbringen. Der Älteste hatte keine weiteren Anweisungen gegeben. Das war das Wesen des Dienens.

Ein dunkler Dolch flüstert seine giftigen Gedanken.

Der Dolch in seinem Gürtel begann zu sprechen, als die ersten Felsbrocken des Sockels unter seinen Sandalen knirschten. Warum kletterst du wie eine Ameise, wo du fliegen könntest. Seine Stimme war kein Klang, sondern ein direkter, schneidender Gedanke, der sich in Tovis Schädel drängte. Ein klares Bewusstsein, kalt und metallisch. Tovis zuckte nicht zusammen. Die Priester hatten ihm die Waffe übergeben, diesen kurzen, gebogenen Dolch mit der Klinge aus schwarzem Obsidian. Ein Werkzeug für den Aufstieg, hatten sie gesagt. Sie erwähnten nicht, dass es reden würde. Der Griff fühlte sich an wie Knochen, geschmeidig und porös zugleich. Ich fliege nicht, dachte Tovis als Antwort und zog sich an einer scharfen Kante hoch. Ich diene. Der Dolch lachte, ein trockenes Rascheln wie fallender Schotter. Dienen. Ein hübsches Wort für sinnlose Plackerei. Sie haben dich ausgesandt wie einen Hund, der einen Stock apportiert. Sie sitzen im Schatten und warten auf deine Rückkehr mit ihrem Spielzeug. Sie werden dir nicht danken. Tovis klammerte sich an eine Vertiefung. Sein Herz schlug gegen seine Rippen. Ich kenne meine Pflicht. Pflicht. Der Dolch spuckte das Wort aus. Pflicht ist die Kette, mit der sie dich an deine Knechtschaft fesseln. Sieh mich an. Ich bin frei. Ich durchschneide, was mich binden will. Tovis schwieg und kletterte weiter. Die Stimme des Dolches war ein permanentes Hintergrundrauschen, ein Nadelstich im Gewebe seiner Konzentration.

Der mühsame Kampf gegen die steinerne Haut.

Der Aufstieg verwandelte sich in einen Kampf gegen die steinerne Haut der Göttin. Riesige Falten ihres erstarrten Gewandes bildeten überhängende Wände, glatt und rissig wie alte Lippen. Schweiß rann Tovis in die Augen, vermischte sich mit dem feinen roten Staub und branne. Sein Atem ging in kurzen, heißen Stößen. Er suchte mit blinden Fingern nach Halt in winzigen Vertiefungen, die wie Poren im riesigen Leib wirkten. Nutze mich, drängte der Dolch unablässig. Ramme mich in eine Spalte und zieh dich hoch. Es ist das, wofür ich gemacht bin. Ein schneller Stich, ein sicherer Halt. Effizient. Tovis schüttelte den Kopf, sprachlos vor Anstrengung. Er würde das heilige Gestein nicht verletzen. Seine Hände bluteten bald, das Blut hinterließ rostfarbene Flecken auf dem hellen Stein, winzige Opfergaben an den Berg. Der Dolch schwieg eine Zeitlang, aber Tovis spürte seine Aufmerksamkeit, scharf wie eine gespannte Feder, die nur auf eine falsche Bewegung wartete. In einer seltenen Pause, die Beine in einer Spalte verkeilt, blickte Tovis hinab. Die Ebene war zu einem unscharfen gelben Tuch geworden, das Dorf nicht mehr auszumachen. Die Welt hatte sich auf diesen vertikalen Streifen Fels reduziert, auf seinen eigenen Körper und die kriechende Stimme an seiner Hüfte. Er war noch nicht einmal am Ansatz der eigentlichen Brust. Ein Schaudern, das nichts mit Höhe zu tun hatte, lief ihm den Rücken hinunter.

Ein leises Pochen in der tiefen Kühle der Nische.

In einer schattigen Nische unter einem gewaltigen Vorsprung des steinernen Busens machte Tovis Rast. Die Dunkelheit hier war kühl und umschloss ihn wie Wasser. Er trank einen kleinen Schluck warmes Wasser aus seiner Feldflasche, spülte den Staub aus seinem Mund und kaute einen zähen Streifen Trockenfleisch. Der Dolch lag neben ihm auf dem Fels, das schwarze Obsidian funkelte im trüben Licht, das von draußen hereinfiel. Du fürchtest die Höhe, nicht wahr, Diener. Es war keine Frage, nur eine Feststellung, die im Raum der Nische hing. Tovis blickte nicht hinunter. Die Ebene lag nun unter einer dünnen schicht aus abendlichem Dunst verborgen. Ich fürchte das Scheitern, dachte er, müde genug, um eine ehrliche Antwort zuzulassen. Der Dolch schien sich zu regen, ein kaum spürbares Summen. Das ist dumm. Fürchte das langsame Erreichen deines Ziels. Fürchte die Zeit, die du verschwendest. Ein Messerpunkt, schnell und tief, das beendet jede Qual. Auch die des Dienens. Es gibt eine Eleganz im Ende, die es im Mühen nie gibt. Tovis hob den Dolch auf. In der Dunkelheit fühlte sich die Klinge an wie ein Stück gefrorene Nacht. Er steckte ihn zurück in den Gürtel. Seine Berührung war eiskalt, auch durch das Leder hindurch. Es gab keinen Tod für die Göttin, nur dieses Warten. Und mein Dienen beendet sich, wenn ich das Schwert habe. Ah. Der Dolch klang amüsiert. Also doch ein Funke Eigenwille. Gut. Halte ihn am Leben. Er wird dich noch nützlich sein.

Der Wind zerrt an der schmalen Brücke ins Nichts.

Der Wind auf der gebogenen Schulter der Göttin war ein heulendes, unerbittliches Ding. Er riss an Tovis' zerfetzten Kleidern, versuchte, ihn von der glatten, gewölbten Rundung des steinernen Busens zu fegen. Tovis krallte sich fest, sein Körper flach an den Fels gepresst, seine Wangen vom stetigen Druck des Sturms nach hinten gezogen. Vor ihm gähnte der Abgrund zwischen den beiden Brüsten, eine breite, dunkle Schlucht, erfüllt mit den gespenstischen Pfeiftönen des Windes, die wie Klagelieder aus einer vergessenen Zeit klangen. Irgendwo dort unten, in der undurchdringlichen Tiefe der Spalte, lag der Ansatz, von dem aus der letzte Aufstieg zum Gipfel möglich sein sollte. Die Karten der Priester zeigten einen schmalen Grat, der hinüberführte. Tovis spähte durch tränende Augen. Da war er. Nicht breiter als zwei Fuß, eine schmale, gezackte Brücke über dem Nichts. Der Dolch jubilierte in seinem Kopf. Endlich. Siehst du die Einfachheit der Sache? Siehst du die Klarheit? Ein Schritt, ein falscher Tritt, ein kurzer Moment des Schwindels. Und dein Dienst ist für immer getan. Keine Mühe, kein langes, qualvolles Hinabklettern mit einer Last, die du nicht verstehst. Nur ein kurzer Sturz in die Freiheit. Die reinste Form der Lösung. Tovis schloss die Augen. Die Müdigkeit war ein bleiernes Gewicht in seinen Knochen, ein Versprechen von Ruhe, wenn er nur losließe. Die Freiheit des Dolches war eine leere, stumme Freiheit. Er atmete langsam aus, presste die Luft gegen den Widerstand des Windes, und trat auf den Grat.

Ein dämmriges Licht in der tiefen grünen Schlucht.

Der Weg in die Tiefe der Spalte hinab war eine Welt für sich, abgeschnitten von Himmel und Sturm. Das Licht wurde grünlich und gedämpft, als ob es durch uraltes, dickes Glas fiele. Die tobenden Winde verstummten abrupt, ersetzt durch ein tiefes, atemloses Schweigen, das in den Ohren dröhnte. Die Luft roch still und modrig, nach gekühltem Stein und etwas anderem, etwas Süßlichem und zutiefst Verlorenem, wie welkende Lilien in einer für immer verschlossenen Kammer. Die Wände, die steinernen Flanken der Brüste, ragßen himmelhoch und glatt auf, als wären sie poliert von Jahrtausenden des stillen Nebeneinanders. Tovis bewegte sich vorsichtig auf einem schmalen, staubbedeckten Sims entlang, seine Hände tasteten über die Oberfläche. Sie fühlte sich seltsam warm an, nicht wie sonnengewärmter Fels, sondern wie die Restwärme eines schlafenden Körpers. Hier, in dieser verborgenen Ritze, war die Göttin nicht nur totes Gestein. Hier schlummerte noch ein Echo, ein hauch von dem, was sie gewesen war. Der Dolch war unruhig, sein mentales Flüstern angespannt und gereizt. Ich hasse diesen Ort. Er erstickt. Er ist weich und widerlich. Benutz mich, Diener. Ritze eine Linie in diese Weichheit, zeichne einen Pfad, lass sie bluten, damit wir hier herauskommen. Tovis ignorierte ihn. Seine Finger fanden eine Reihe von natürlichen Stufen, wie Treppen für einen Riesen, in die Wand gemeißelt von langsamer Erosion oder vielleicht von etwas anderem. Er begann, nach oben zu klettern, Richtung Gipfel, Richtung Herz. Mit jedem Schritt nahm die süße, traurige Note in der Luft zu.

Ein kühler Faden Hoffnung inmitten des Felsens.

Die Stille wurde von einem neuen Geräusch durchbrochen: Wasser. Ein leises, einzelnes Tropfen, das in weiten Abständen ertönte und im steinernen Schacht widerhallte. Tovis folgte dem Klang. In einer seitlichen Aushöhlung, versteckt hinter einem Vorhang moosbewachsenen Steins, fand er die Quelle. Ein dünner Riss in der Wand ließ Wasser austreten, einen klaren, kalten Faden, der in eine kleine, natürliche Steinmulde tropfte. Das Wasser war kristallklar. Tovis starrte es an, ungläubig. In der ganzen Ebene gab es keine solche Quelle mehr. Er tauchte vorsichtig einen Finger ein, dann seine ganze Hand. Die Kühle war überwältigend, eine Offenbarung. Er trank, schöpfe das Wasser mit seinen hohlen Händen, ließ es sein Gesicht benetzen. Die Müdigkeit wich für einen Augenblick einem reinen, dankbaren Staunen. Selbst der Dolch war still. Dies war kein Teil des Plans der Ältesten. Dies war ein Geschenk. Oder eine Prüfung. Tovis füllte seine fast leere Flasche, kostbarer als alles Gold. Als er sich umdrehte, um weiterzugehen, bemerkte er an der Wand neben der Quelle einfache Ritzungen. Keine heiligen Symbole, nur die Umrisse einer Hand, eines Vogels, eine spiralförmige Linie. Zeichen von jemandem, der vor langer, langer Zeit hier gewesen war. Vielleicht war er nicht der Erste. Vielleicht war keiner zurückgekehrt, um davon zu berichten. Der Gedanke war beunruhigend und tröstlich zugleich. Er war nicht allein in dieser Stille.

Ein einsames Schwert auf dem windigen Gipfel.

Das Herz der Göttin war nicht, was er erwartet hatte. Der Gipfel der östlichen Brust war eine flache, windgeglättete Scheibe aus Stein, so groß wie der Dorfplatz. In ihrer Mitte, aufgerichtet in einer schmalen Spalte des Felsens, stand das Schwert. Es war nicht glänzend oder prachtvoll. Seine Klinge war aus dem selben grauen, porösen Stein wie der Berg selbst geformt, stumpf und unscheinbar, von Wind und Wetter gezeichnet. Der Griff, der aus dem Fels ragte, schien aus gewundenem, versteinertem Holz geformt, mit einer Textur, die an Rinde erinnerte. Kein Licht strahlte davon aus, kein Summen verborgener Macht durchdrang die Luft. Kein Chor von Engeln, keine erleuchtende Erkenntnis. Es war nur ein Stück Stein, das einsam aus einem anderen Stein ragte. Tovis blieb stehen, einige Schritte entfernt, überwältigt von einer lähmenden, bitteren Enttäuschung. Das war es? Der große Schatz, die letzte Hoffnung seines Volkes? Dafür hatte er geblutet, geklettert, den Versuchungen des Dolches widerstanden? Für dieses leblose, nutzlose Ding? Eine plötzliche Wut stieg in ihm auf, heiß und beschämend. Der Dolch kicherte in seinem Geist, ein triumphierendes, hämisches Geräusch. Siehst du? Endlich siehst du die Wahrheit. Sie haben dich für einen Narren gehalten. Dein ganzes Dienen, dein ganzes Leben, um einen alten Stein zu holen. Sie lachen über dich, dort unten im Schatten. Nimm mich jetzt. Zerschlage es. Zerbrich diesen albernen Thron. Zeig ihnen, dass du mehr bist als ein gehorsamer Diener. Zeig es dir selbst.

Die warme Pulsation eines lebendigen Siegels.

Tovis ging langsam vor. Sein Atem bildete kleine Wolken in der plötzlich kalten Luft des Gipfels. Die Wut wich einer großen, erschöpften Leere. Er stand vor dem Schwert, dieses armselige Monument. Langsam, fast widerwillig, streckte er seine rechte Hand aus. Seine Finger, rissig und mit getrocknetem Blut verkrustet, schlossen sich um den steinernen Griff. In dem Moment geschah es. Eine Wärme, intensiv und pulsierend, schoss durch seinen Arm, jagte durch seine Schulter, füllte seine Brust. Es war nicht die Wärme von Feuer oder Sonne. Es war die Wärme von fließendem Blut, von einem schlagenden Herzen, von Leben in seiner konzentriertesten, stillsten Form. Unter seiner Berührung war der graue Stein kein Stein mehr. Er fühlte ein langsames, mächtiges Pochen, einen Rhythmus so alt wie die Welt. Er sah nicht mit seinen Augen, sondern er wusste, er fühlte mit einer Gewissheit, die aus seinen Knochen kam: Dies war kein Schwert, das man schwang. Dies war ein Schlüssel. Ein Siegel. Ein Pfropfen in der Wunde der Welt. Es hielt nicht eine Macht gefangen, die man befreien konnte. Es verhinderte, dass etwas, das tief im Herzen der toten Göttin schlummerte – ihr letzter Traum, ihre letzte Träne, ihre unvollendete Schöpfung – endgültig auslief und die Welt zu dem staubtrockenen Nichts machte, das sie bereits zu werden drohte. Die Priester wussten es nicht. Sie lasen die Zeichen falsch. Sie wollten nur das Symbol, die leere Hülle der Macht. Der Dolch schrie jetzt, eine schrille, panische Vibration, die in Tovis Schädel hämmerte. Zieh es heraus! Zerstöre es! Tu etwas! Oder lass mich, ich werde es tun, gib mich frei! Tovis blickte hinab in die grüne Schlucht, dann zurück zu seiner Hand, die den Griff umschloss. Der Diener in ihm, der jahrelang gehorcht hatte, befahl, den Befehl auszuführen. Der Mann aber, der den Berg erklommen hatte, der die Stille der Spalte und das Geschenk des Wassers gekostet hatte, wusste es besser. Er ließ den Griff los. Der tiefe Puls unter seinen Fingern verebbte, zog sich zurück in den Fels. Die Kälte kehrte sofort zurück. Tovis kniete nieder und verneigte sich vor dem steinernen Herz, nicht als Diener vor seinem Herrn, sondern als ein Lebendiger vor einem anderen großen, tragischen Leben. Dann stand er auf, drehte sich um und begann den langen Weg nach unten. Sein Sack war leer. Sein Herz war es nicht.

Ein Diener kehrt mit neuen Augen heimwärts.

Tovis kehrte mit leeren Händen und neuen Augen zurück. Der Älteste erwartete ihn am Grenzstein, umgeben von den anderen Priestern und einer schweigenden Menge Dorfbewohner. Ihr Gesichter waren scharf vor Erwartung und angst. Der höchste Älteste trat vor, sein Gesicht eine Maske aus eingefrorener Strenge. Wo ist das Schwert, Diener? Seine Stimme schnitt durch die stille Luft. Tovis sah ihn an, wirklich sah ihn. Er sah die angst in den wässrigen Augen, die Gier hinter der strengen Fassade, die Verzweiflung eines Mannes, der eine einfache Lösung für ein komplexes Ende brauchte. Tovis' eigene Haut war von Wind und Sonne zu Leder gegerbt, seine Hände waren vernarbt, seine Bewegungen die eines Kletterers, nicht eines Dieners. Es ist an seinem Platz, sagte er, und seine Stimme klang rau und fremd, sogar für ihn selbst. Es dient immer noch. Es tut, was es immer tat. Es hält den Traum am Leben. Ein Murmeln ging durch die Menge. Der Älteste wollte zornig aufbrausen, seine Autorität geltend machen. Doch dann trafen ihn Tovis' Augen. Sie hatten den stumpfen, abwesenden Gehorsam des Dieners abgelegt. In ihnen spiegelte sich jetzt die unermessliche Weite der steinernen Brust, die grüne, stille Tiefe der Schlucht, die kühle Klarheit der Quelle und die stille, wartende Wärme des Herzens. In diesen Augen war eine Wahrheit, die der Älteste nicht kannte und fürchtete. Er trat einen Schritt zurück. Tovis löste den schwarzen Obsidiandolch aus seinem Gürtel. Er hielt ihn einen Moment in der Hand, spürte das letzte, wütende Flackern seines Bewusstseins. Dann legte er ihn dem Ältesten in die ausgestreckten, zitternden Hände. Das Werkzeug für den Aufstieg, sagte er ruhig. Ich brauche es nicht mehr. Dann ging er an ihnen vorbei, durch die Menge, die ihm wortlos Platz machte. Er ging nicht zum Dienerhaus. Er ging zu der verlassenen Hütte am Rand des Dorfes, die einst einem alten Einsiedler gehört hatte. Die Tür stand offen. Er trat ein.

Ein zarter neuer Traum erwacht im gelben Sand.

Hoch oben, im steinernen Busen der Göttin, träumte das Herz weiter seinen alten, langsamen Traum. Unten, in der Ebene, erzählten sich die Menschen Geschichten. Einige sagten, der Diener sei verrückt geworden von der Höhe. Andere flüsterten, er habe das Schwert gestohlen und versteckt. Die Priester schwiegen. Doch an den Rändern der Felder, wo der Boden am rissigsten war, begann Tovis zu graben. Nicht tief. Nur bis er auf die Feuchtigkeit stieß, die näher an der Oberfläche lag, als jemand gedacht hatte. Er pflanzte die wenigen Samen, die er besaß, und wässerte sie mit dem Wissen, wo man Wasser findet, wenn man still genug ist, um es zu hören. Die ersten Triebe waren zart und grün gegen das Gelb der Welt. Sie überlebten. Nach und nach kamen andere zu seiner Hütte. Sie brachten keine Befehle, sondern Fragen. Und er zeigte ihnen die Ritzungen an seiner Wand, die Kopie der Zeichen aus der Schlucht. Er sprach nicht von Pflicht. Er sprach von Zusammenhalt. Von dem Puls, der unter allem liegt. Die Quelle in der Schlucht versiegte nicht. Und langsam, über viele Jahre, lernte das Dorf wieder, vom Traum der Göttin zu trinken, nicht von ihrer Leiche. Tovis blickte manchmals zum Berg hinauf. Er diente immer noch. Aber nun einer anderen, größeren Sache.


Mit herzlichem Dank und stetem Blick auf den Gipfel,
Ihr Diener des steinernen Herzens und Kartograf der inneren Berge.

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*Der geneigte Leser möge es der bröckelnden Natur mündlicher Überlieferung zugutehalten, dass wir nicht zu ergründen vermochten, welche der geschilderten Wunder auf das Konto frommer Legenden, welche auf das getrübte Gedächtnis der Chronisten und welche gar auf die hinterlistigen Einflüsterungen des schwarzen Obsidiandolches zurückzuführen sind. Die Welt, selbst die steinerne, ist im Fluss, und was einst als Pflicht begann, endet nicht selten als ganz persönliche Ketzerei.

Quellenangaben:
Inspiriert von einer versteckten Quelle.
Österreichische und Deutsche Sagen-Sammlung auf Sagen.at
Geologische Prozesse der Verwitterung und Erosion bei Spektrum.de
Mythen der Nationen im Deutschen Historischen Museum
Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen,
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

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