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Anklagezustand wegen Hochverrats, Flucht nach Blefuscu und dortige Aufnahme.

Posted by Admin on Feb 18, 2008
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Als ich gerade Vorbereitungen traf, dem Kaiser von Blefuscu meine Aufwartung zu machen, kam ein bei Hofe einflußreicher Herr (dem ich früher zu einem Zeitpunkte Dienste erwiesen hatte, als er sich in höchster Ungnade des Kaisers befand) auf verstecktem Wege, zur Nachtzeit und in einer Sänfte, in meine Wohnung und bat um eine augenblickliche Unterredung, ohne mir seinen Namen ankündigen zu lassen. Ravenet, deren schon Erwähnung geschah, die Kempelensche Familie und einige andere, recht werte und liebe Gefährtinnen auf den heitern Pfaden der Jugend. Viel lieber aber unterhielt ich mich mit seinen jüngern Geschwistern und ihrer gleichgestimmten Gesellschaft, mit der ich denn allmählich, wie es diese Blätter zeigen, aus dem Kindesalter in das jugendliche, beweglichere und bedeutendere getreten war, in dem nun statt heiterer Kinderspiele lebhaftere Empfindungen, abwechselnde Hoffnungen und Schmerzen uns beschäftigten. Ich hatte seine Erziehung in dem streng katholischen Bayern, unter der Leitung der Jesuiten, seine Jugendfreundschaft für Maximilian von Bayern, seine Stellung in der damals heftig bewegten Welt, zwischen Reichsfürsten, die mit heißem Eifer entweder für oder gegen den Glauben kämpften, den er bekannte, zwischen mißvergnügten Ständen, die gern unter dem Vorwande der Religion größere Macht an sich gerissen hätten, und zwischen aufrührerischen Untertanen beherzigt und gefunden, daß man jene Zeit überhaupt, nicht bloß durch ein protestantisches Glas betrachten, daß man besonders einen Fürsten des 17. Jahrhunderts in Rücksicht seiner Aufklärung nicht nach dem Maßstabe des 19. beurteilen und dem, der nun einmal mit ganzer Seele glaubt, seine Religion sei die allein selig machende, die Begierde andere, ja alle Menschen dazu zu bekehren, und wenn es nötig wäre, dazu zu zwingen, nicht als eigentliche Grausamkeit auslegen könne. Schiller selbst, dessen sehr eifriger Protestantismus deutlich aus jedem Blatt seiner Geschichten des 30 jährigen Krieges und des Abfalles der Niederlande spricht, läßt dem im Grunde menschlichen und rechtlichen Charakter dieses Fürsten Gerechtigkeit widerfahren. Arndt spricht in einer seiner Schriften mit Achtung von ihm, und so entwarf ich denn nach jenen Beobachtungen und diesen Autoritäten den Plan zu einem Stücke, dessen Inhalt mir ebenso patriotisch, als für Bühneneffekt geeignet schien. […]

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